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Liebe Besucher unserer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sächsenheim.

Sie haben mit dieser Kirche ein Kleinod der fränkischen Kirchenausstattung betreten.
So unscheinbar der Bau (1741-1743) von außen mit seinem bescheidenen Dachreiter wirkt, so üppig ist dagegen die Ausstattung dieser Kirche. Erst 1867 kam mit der Pfarrei-Erhebung der Ehrgeiz, die neu gewonnene Eigenständigkeit im Innern der Kirche durch eine prachtvolle Einrichtung zu feiern.

Freilich mahnt die Ausmalung selbst zum Blick auf die wesentliche Zier eines Gotteshauses:“Domum Tuum, dimine, decet sanctitudo“ (Dein Haus, o Herr, ziert die Heiligkeit).
Die außergewöhnliche Besonderheit der Sächsenheimer Kirche besteht darin, dass sie die Einzige der Diözese Würzburg ist, die als in sich geschlossenes Ensemble der Neo- Renaissance erhalten geblieben ist. Zu diesem Kunststil seien folgende Bemerkungen vorausgeschickt:

Der Kunststil der Renaissance selbst wird im Florenz des 15./16 Jahrhundert geboren und ist in sich selbst eine Wiederentdeckung antiker Malerei, Architektur und Bildhauerei. Große Namen sind damit verbunden: Raphael als Maler und Michelangelo als Bildhauer. Damit sind aus der großen Anzahl bedeutender und bedeutendster Künstler dieser Zeit nur die beiden bekanntesten genannt.

Von Florenz aus breitete sich dieser Stil nach Rom und von dort aus in die ganze Welt aus. Deutschland erreicht die Renaissance in der 2. Hälfte des
16. Jahrhunderts. Doch verbreitet sich dieser Kunststil nicht im selben Maß, wie in Italien, da diese Zeit mit der Beseitigung der Schäden durch die Reformationswirren beschäftigt ist.

Vieles was aber damals dennoch in diesem Stil erbaut und geschaffen wurde, ist im Dreißigjährigen Krieg anschließend wieder zerstört und später durch den Barock ersetzt worden.

Die Sächsenheimer Kirche wiederholt in der Tradition des 19. Jahrhunderts diesen schon einmal dagewesenen Kunststil. Das bevorzugte Material der Renaissance war der Marmor. Strittig ist bis zum heutigen Tag die Frage der Bemalung. Dies zeigt sich auch in der Sächsenheimer Kirche: Einige Reliefs sind bemalt, andere sind reine Marmor- Imitationen auf Holz und Putz.
Da der Kunststil der Renaissance auf der Wiederentdeckung griechischer und römischer Bauwerke gründet, ist auch die blumenreiche Bemalung den Ausmalungen der damals ausgegrabenen und wiederentdeckten römischen Villen geschuldet und die Altararchitektur den Grabmälern antiker Vorbilder angeglichen.

Doch nun zurück zur Sächsenheimer Kirche selbst. Den Auftrag zur Neuausstattung erhält die Firma Driesler 1893. Diese Firma beschäftigt eigene Handwerker, so dass ich die einzelnen Werke keinen einzelnen Künstlern zuordnen lassen.

Die Malereinen sind den beiden Kunstmalern Kaspar Lessing und Anton Ranziger aus München zugeordnet. Die Kirche selbst verfolgt ein übergeordnetes Thema, das durch das Patrozinium St. Peter und Paul vorgegeben ist:
Es geht ums Sterben und das Martyrium. Im Zentrum des Blicks steht das Bild der Kreuzigung Christi im Hochaltar; rechts und links daneben Petrus mit dem Himmelsschlüssel und Paulus mit dem Schwert. Bekrönt wird der Hochaltar durch ein Brustbild des Dornen-gekrönten Heilands.

Besonders interessant sind die Darstellungen an der Vorderseite des Altartisches: Sie beziehen sich alle drei auf das Martyrium durch „psychische Zermürbung“. In der Mitte sitzt ein Christus auf der Rast (der Leidensmann, der in sich zusammengesunken noch einmal über seinen Kreuzweg nachdenkt)

Links daneben sehen wir wie dem Dulder Hiob aus dem alten Testament schlechte Nachrichten überbracht werden.

Auf der rechten Seite befindet sich jene Szene aus dem Alten Testament, wo Josef von seinen Brüdern für Silbermünzen an Kaufleute für den Sklavenmarkt in Ägypten verkauft wird.

Der linke Seitenaltar zeigt auf der Vorderseite des Altartisches die Geburt Christi im Mittelpunkt des Altaraufbaus überreicht die Gottesmutter den Rosenkranz an die beiden Heiligen des Dominikanerordens Dominikus und Katharina von Siena. Links außen steht die Heilige Margaretha als die Patronin der Gebärenden und auf der anderen Seite die Heilige Barbara als Patronin der Sterbenden.

Am rechten Seitenaltar ist auf der Vorderseite des Altartisches das Veronikum (Schweißtuch der Veronika) zu sehen. Das Mittelfeld des Altaraufbaus zeigt den Tod des Heiligen Josefs in Anwesenheit seines Pflegesohnes und der Gottesmutter. Linkes daneben steht der Heilige Franziskus und zeigt die Wundmale, die er als Ausdruck seiner besonderen Verbindung mit dem Leidensmann empfangen hat und auf der rechten Seite steht der Viehpatron St. Wendelin.

Die Kanzel nimmt wiederum Bezug auf das Martyrium: Am Kanzelkorb stehen voll-plastisch die Figuren Peter und Paul. Auf der Vorderseite sehen wir das Martyrium der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Auf der zum Ausgang hin gewandten Seite ist das Martyrium des Erzmartyrers Stephanus dargestellt, der als erster Martyrer der Kirchengeschichte gilt. Vom Kanzelkorb geht der Weg nach oben: Auf der Rückseite des Predigtstuhls ist die Himmelfahrt Mariens und oben auf dem Schalldeckel der wiederkehrende Christus („Wer mich vor den Menschen bekennt, zu dem wird auch der Menschensohn sich vor den Engeln Gottes bekennen“)

Die Decke des Kirchenschiffs zeigt ganz im Malstil Raphaels(s. typischer Raphael-Engel) die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor. Hier erscheinen Jesus die Propheten Mose und Elia: Von dieser biblischen Szene an beginnt seinen Weg nach Jerusalem, um dort zu leiden. Um das Deckenbild herum ranken sich sinnigerweise Passionsblumen. In den vier blauen Feldern sehen wir dann die drei göttlichen Tugenden (Glaube (Kelch), Hoffnung (Anker), und Liebe (Herz). Auf dem blauen Feld über dem Kirchenausgang sind die Attribute von Petrus und Paulus (Schwert und Schlüssel) wie Wappeninsignien gemalt.
An der Decke des Chorraums sehen wir wiederum ganz im Stile Raphaels eine Heilige Familie.

Es ist bezeugt dass es den Sächsenheimer damals etwas zu viel Martyrium, „also schwere Kost“ gewesen ist, was die Künstler in ihrer Kirche dargestellt hatten. Deshalb gaben sie im „Nachschlag“ noch eine Darstellung der Geburt Christi in Form eines Triptychons (dreiteiliger Flügelaltar) in Auftrag, der heute meist geschlossen an der Rückseite der Kirche angebracht ist, jedoch in der Weihnachtszeit geöffnet auf den rechten Seitenaltar gestellt wird.

…..und was es noch zu sehen gibt:

Der Kreuzweg ist eine spätere Hinzufügung. Die Madonnenfigur dürfte wohl noch aus der Vorgänger Ausstattung stammen. Das Feld an der linken Seite des Kirchenschiffs zwischen den beiden Fenstern wird wohl der ursprüngliche Ort des Weihnachts-Triptychons gewesen sein.
Unter der Empore ist der Heilige Michael wohl später als die übrigen Bilder gemalt. Er erinnert daran, dass um die Kirche herum ursprünglich ein Friedhof gewesen ist.

Wenn sie nun die Kirche wieder verlassen, so werfen sie bitte auch einen Blick auf das Eingangsportal. Es ist ein besonders prächtiger Eingang, der ganz im Stil der Renaissance an die Türflügel antiker Tempel erinnert. Leider wurde dieser Eindruck durch den Vorbau verstellt.

Liebe Besucher unserer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sächsenheim.
Liebe Besucher unserer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sächsenheim.
Liebe Besucher unserer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sächsenheim.