Wählen Sie zwischen weiteren Untermenüs:

KindergartenSchuleKircheFamilie

Liebe Besucher aus Nah und Fern, herzlich willkommen in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Sonderhofen.

Sie stehen hier auf geschichtsträchtigem Grund. Denn Sonderhofen wird schon in der Schenkungsurkunde Karlmanns bzw. Gründungsurkunde des Bistums Würzburg (741/742) mit einer eigenen Kirche erwähnt, die damals noch dem Heiligen Remigius von Rheims geweiht war. Dies ist umso bemerkenswerter, als es damals nur 27 Kirchen in einem Bistum gewesen sind, dessen Gebiete damals das heutige Bistum Fulda, das Bistum Bamberg, Teile von Erfurt/Meiningen und der ganze Landschaftsbereich der Tauber gewesen sind.

Von der ursprünglichen Remigius Kirche wissen wir nicht viel, da diese Kirche damals aus Holz erbaut wurde und archäologische Grabungen unter der jetzigen Pfarrkirche noch niemals stattgefunden haben.

Bezeugt aber ist ein romanischer Neubau aus Stein am Ende des 13. Jahrhunderts. Mit dieser Steinkirche findet auch der Patroziniums Wechsel hin zum Heiligen Johannes dem Täufer statt. Selbstverständlich wurde der ursprünglich romanische Bau spätestens in der Echterzeit gotisiert. und ab 1700 barockisiert.

Als 1749 die Baufälligkeit des Kirchturms festgestellt wurde, machte man sich nicht an das Projekt einer Turmsanierung, sondern besserte nur notdürftig aus und beschloss stattdessen einen Neubau des Kirchenschiffs. Im Jahre 1757 wurde der Grundstein gelegt. Architekt war der Würzburger Hofarchitekt Fischer. 1758 begann man mit der Innenausstattung unter Einbeziehung bereits vorhandener barocker Einrichtungsstücke (Gemälde der Seitenaltäre von Oswald Onghers und eine Kanzel unbekannter Herkunft).

Der Auftrag für den Hochaltar wurde an Johann Georg Auvera aus Aub vergeben. Doch bald schon gab es Ärger mit der Statik des neuen Altars. Einen völligen Neuansatz schon im Anfang der Neuausstattung machte der Einsturz des Kirchturms 1779 nötig. Er gab dem damals noch ziemlich neuen Hochaltar den Rest.

Den Auftrag erhielt diesmal Johann Peter Wagner. Aus seiner Hand stammen ebenso die Seitenaltäre, sowie der Taufstein

Als Stuckateur wurde Antonio Petrolli aus dem Umkreis von Antonio Bossi gewonnen. Dieser stuckierte die Decke des Chorraums und überarbeitete die bereits vorhandene Kanzel aus dem Vorgängerbau mit Stuckmarmor. Die Fresken im Chorraum hat Georg Anion Urlaub gemalt.

Das heutige Aussehen der Kirche wird allerdings erst 1894 fest geprägt, als der Kirchenmaler und Stuckateur Fritz Bayerlein dem Kirchenschiff sein heutiges Aussehen verleiht.

Die Pfarrkirche von Sonderhofen stammt aus verschiedenen Epochen (Barock 18. Jh) und Historismus (19. Jh.). Es ist zweifelsohne trotz der unterschiedlichen Epochen gelungen, ein einheitliches Raumgefühl zu erhalten.

Dies hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass sich die unterschiedlichen Epochen mit einem einzigen Thema beschäftigt haben: Dem Leben und der theologischen Bedeutung des Täufers Johannes.

Daher ist es nun unumgänglich ein paar Sätze zur biblischen Einordnung des Täufers voranzusetzen, bevor wir zu den einzelnen Darstellungen kommen.

Das Neue Testament setzt in einer Zeit der unmittelbaren Erwartung des Messias und des beginnenden Weltengerichts an.

Als große Vorzeichen dieses Ereignisses wurde die Wiederkunft des Propheten Elia und des Propheten Mose auf dieser Erde erwartet. Beiden Propheten ist eine gewisse "Strenge" nicht abzusprechen, die dazu führte, dass in Erscheinung und Predigt des Täufers Johannes die "Reinkarnation" dieser beiden Propheten gesehen wurde.

So begeben wir uns als Erstes zur Kanzel: Auf dem Kanzelkorb finden wir links Mose mit den Gesetzestafeln und rechts den Propheten Elia. Sie verkörpern einerseits das Gesetz des Alten Bundes (Mose), andererseits das Eintreten für die Rechte des Herrn (Elia). An der Rückwand der Kanzel finden wir Johannes den Täufer mit Lamm und Stab (Ecce agnus dei = Seht das Lamm Gottes) als Hinweisung auf die durch Christus bewirkte Erlösung von den Sünden. Auf dem Schalldeckel tänzelt ein Engel mit dem Neuen Testament, auf dem der Anfang des Johannesevangeliums geschrieben steht. Daher lässt sich die Kanzel von unten nach oben folgendermaßen deuten: Anspruch Gottes verkörpert durch die Propheten-Bewirkung der Erlösung - Leichtigkeit des neutestamentlichen Gesetzes durch die bereits erwirkte Erlösung. Zusätzlich sehen wir auf dem Kanzelkorb noch die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kelch), Hoffnung (Anker) und Liebe (Mutter mit Kind).

Die Bezugnahme auf die Propheten Mose und Elia finden wir ebenfalls im Mittelfresko des Chorraums. Hier ist die Verklärung Jesu am Berg Tabor dargestellt: Johannes bezeichnet sich selbst als Vorläufer. Die "Reinkarnationskraft" dieser beiden Propheten geht auf Jesus über. Daher erscheinen die beiden Jesus noch einmal unmittelbar bevor er seinen Weg zum Berg Golgotha beginnt.

Von der alttestamentlich-neutestamentlichen Brücke der Johannesdeutung gehen wir nun über zur Lebensgeschichte des Täufers:
In den Rundbildern des Kirchenschiffs lesen wir die Lebensgeschichte des Sonderhöfer Kirchenpatrons: Da der Beginn seiner Lebensgeschichte in den letzten Tagen des Advents und sein Auftreten an zwei Sonntagen der vorweihnachtlichen Zeit gelesen wird, ist der Bezug von diesem adventlichen Propheten hin zu Weihnachten durch die Inschrift über den Chorbogen hergestellt: Sie zitiert den Gesang der Engel auf dem Hirtenfeld von Betlehem auf Lateinisch: Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis ( Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen guten Willens) Im Zentrum der Decke des Kirchenschiffs sehen wir ganz im Stile Tiepolos jene Szene gemalt, als die schwangere Maria zur schwangeren Elisabeth (Mutter des Täufers) kommt und sie begrüßt. Links vorne sehen wir in der Ecke, wie sein Vater Zacharias verkündet, dass der Name des Kindes Johannes heißen soll. Rechts vorne sehen wir Johannes bei der Predigt. Wenn wir uns jetzt Richtung Orgel drehen, dann sehen wir, wie Johannes sich mit dem König Herodes wegen dessen Ehe auseinandersetzt. Rechts ist dann die Enthauptung des Täufers im Kerker des Herodes gemalt.

Am genauesten erzählt uns der Evangelist Lukas die Lebensgeschichte des Johannes. Doch kommt kein einziges der vier Evangelien darum herum, sich in seinem Anfang auf den Täufer Johannes zu beziehen. Daher sind die vier die vier Evangelisten in den vier Ecken des Chorraums gemalt (Markus mit Löwe, Lukas mit Stier, Johannes mit Adler, Matthäus mit geflügeltem Mensch)

Ähnlich, wie der Taufstein, zeigt der Hochaltar in der Mitte das zentrale Bild der Lebensgeschichte des Täufers: Als er am Jordan die Umkehr verkündet und die Taufe zur Vergebung der Sünden praktiziert kommt auch Jesus aus Nazareth um sich taufen zu lassen. Die Taufe des Johannes allerdings ist nur ein Bußzeichen. Zur Verbindlichkeit der Sündenvergebung kommt es erst durch den Erlösertod Jesu. Dies hat Johann Peter Wagner wunderbar gedeutet, indem das Wasser, das der Täufer über den Kopf Jesu gießt, auf einen Menschen fließt und von diesem hinunter fließend zu denken ist auf einen Beichtstuhl, der sich im Hochaltar hinter dem vorgeschobenen Altartisch mit Tabernakel befindet. Dies ist barocke Deutung dieser Szene von der aller feinsten Art.

Neben dem Täufer stehen dessen Eltern Zacharias (mit dem Weihrauchfass) und Elisabeth. An den Außenseiten steht rechts der Heilige Johannes von Nepomuk als der Heilige des Beichtgeheimnisses und links der Heilige Karl Borromäus, der als der bedeutendste bischöfliche "Umsetzer" der Beschlüsse des Konzils von Trient auch als Förderer der Ohrenbeichte gilt.

Das Thema Umkehr und Buße wird auch in den Seitenaltären weitergeführt. In der Mitte des rechten Seitenaltars ist die Heilige Maria Magdalena als bußfertige Einsiedlerin gemalt, die von Engeln mit dem heiligsten Altarsakrament gestärkt wird. Die Figuren an den Seiten stellen den Schächer Dismas mit dem Kreuz (sein letztes Wort war das Bekenntnis seiner Sünden) und den bußfertigen Einsiedler Hieronymus mit seinem Löwen dar.

Der linke Seitenaltar bezieht sich wiederum auf das Thema Buße. Wir sehen Petrus mit dem Himmelsschlüssel und Paulus mit dem Schwert. Auf diese beiden Apostelfürsten beruft sich die römische Kirche in ihrer "Binde- und Lösegewalt".

In der Mitte ist in der Himmelfahrt Mariens das vorweggenommen, was allen verheißen ist, die sich über Umkehr und Buße auf den Weg der Anteilnahme an der Erlösung Christi begeben.

Zu diesem Weg gehört auch der Kreuzweg, den der Kirchenmaler an den Wänden der Kirche gemalt und mit reichlich Stuck versehen hat.

.... Und was es noch zu sehen gibt:
auf der linken Seite des Chorbogens steht eine ausgezeichnete Madonnenfigur des Rokoko, deren meisterlicher Bildhauer uns leider nicht bekannt ist. Rechts neben dem Chorbogen steht der Heilige Josef, den Johann Georg Auvera geschaffen hat.

An den Wänden des Kirchenschiffs befinden sich Statuen des Heiligen Wendelin (Viehpatron), des Heiligen Antonius von Padua und des Heiligen Georg.

... Sollten Sie nun noch etwas Zeit haben, so schauen Sie sich auch die Fassade der Kirche an. Sie wurde von Johann Georg Auvera geschaffen.

Im Türsturz des Haupteingangs ist zu lesen: Domus Dei -Das Haus Gottes. Darüber ist das Zeichen des Dreifaltigen Gottes (Dreieck mit einem Auge), das von Engeln verehrt wird. Es folgt nach oben hin das Wappen des Würzburger Bischofs und Herzogs von Ostfranken Adam Friedrich von Seinsheim, der 1755 den bischöflichen Thron von Würzburg bestieg, und der uns auch bekannt ist als Bauherr der Schlossgärten in Würzburg und Veitshöchheim. Unter den fürstbischöflichen Wappen befindet sich die Darstellung der Unbefleckten Empfängnis, die seit alters her gleichzeitig die Darstellung der Herzogin von Franken ist.

Über der Marienfigur lesen wir: S. Virgo sine macula- Heilige Maria ohne Makel; darunter steht: Sis a nobis benedicta – du sollst von uns gepriesen sein.

Der Kirchturm wurde erst 1847/42 erbaut und ist mit laternenbekrönter Haube, für die damalige Zeit ein bemerkenswerter prächtiger Turm, der sich nahtlos in das Gesamtbild des Kirchenbaues eingliedert. Die Haube des Turmes wurde 1869 errichtet.